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Strategie

KI-Berater auswählen: Woran Sie den richtigen Partner erkennen

Nicht die Kategorie entscheidet, sondern ob ein Anbieter zuerst nach Ihrem Ablauf fragt und danach auch den Betrieb verantwortet. Prüfkriterien, Warnzeichen, Fragen fürs Erstgespräch und was im Angebot stehen muss.

Marc ThielAktualisiert am 8 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort: Den richtigen KI-Partner erkennen Sie daran, dass er zuerst nach Ihrem Ablauf und einer messbaren Zielgröße fragt und vorher sagt, wer die Lösung nach dem Start betreibt. Ob er sich Beratung, Agentur oder Freelancer nennt, ist zweitrangig; Nein sagen sollten Sie, wenn er ein Werkzeug verkauft, bevor er Ihren Prozess kennt.

„Sollen wir das einem Freelancer geben, einer Agentur oder einer Beratung?“ Diese Frage steht am Anfang vieler KI-Vorhaben im Mittelstand, und sie wird oft nach dem Tagessatz entschieden. Der Tagessatz sagt aber nichts darüber, ob am richtigen Ablauf angesetzt wird. Dieser Beitrag legt deshalb die Kriterien offen, die Sie an jeden Anbieter anlegen können, uns eingeschlossen.

Wie wählt man einen KI-Berater für ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern aus?

Bei 200 Mitarbeitenden gibt es meist eine IT-Verantwortung, mehrere Systeme und Abläufe, die über Abteilungen laufen. Ein Anbieter muss dort mehr können als ein Werkzeug einrichten. Fünf Kriterien tragen die Auswahl:

  1. Er fragt zuerst nach dem Ablauf, nicht nach dem Werkzeug. Wer im ersten Gespräch wissen will, welche Aufgabe wie oft von wem erledigt wird, arbeitet vom Problem her. Wer zuerst fragt, ob Sie schon Lizenzen haben, arbeitet vom Produkt her.
  2. Er legt vorher eine Zielgröße fest. Stunden pro Woche, Durchlaufzeit oder Euro pro Monat. Ohne diese Zahl lässt sich am Ende nicht sagen, ob es sich gelohnt hat. Wie man so etwas vorab rechnet, steht in Was kostet KI-Beratung wirklich?
  3. Er schlägt einen kleinen ersten Schritt vor. Ein abgegrenzter Ablauf, ein Abnahmekriterium und ein vorher vereinbarter Punkt, an dem man abbricht, wenn es nicht trägt.
  4. Er sagt, wer die Lösung nach dem Start betreibt. Eine KI-Lösung braucht Pflege: Schnittstellen ändern sich, Modelle werden ersetzt, Sonderfälle tauchen auf. Wer darauf keine Antwort hat, liefert einen Piloten, keinen Betrieb. Warum genau daran viele Projekte hängen bleiben, steht in Warum Ihr beeindruckender KI-Pilot nie in den Betrieb geht.
  5. Er legt offen, woran er gebunden ist. Partnerschaften mit Herstellern sind legitim, aber Sie sollten sie kennen. Eine begründete Werkzeugwahl erkennen Sie daran, dass der Anbieter auch erklärt, wann er etwas anderes nehmen würde.

Beratung, Agentur oder Freelancer: Wer passt wann?

Die drei Anbietertypen haben unterschiedliche Stärken. Keiner ist grundsätzlich besser.

Der Freelancer ist eine einzelne Fachkraft, oft tief in einem Werkzeug oder Thema. Stark, wenn die Aufgabe klar umrissen ist und Sie intern jemanden haben, der steuert. Schwach, wenn der Umfang wächst: begrenzte Kapazität, Ausfallrisiko bei Urlaub oder Krankheit, und niemand, der gegenliest.

Die Agentur bringt ein Team mit: Kapazität, Projektmanagement, Umsetzungsbreite. Viele Marketing-, Web- oder Softwareagenturen haben in den letzten Jahren ein KI-Angebot ergänzt. Stark, wenn ein definiertes Projekt mit vielen Gewerken ansteht. Schwach, wenn KI nur ein Zusatz zum eigentlichen Geschäft ist und die Prozesstiefe fehlt.

Die spezialisierte KI-Beratung hat KI und Prozess als Kern. Stark, wenn noch unklar ist, wo KI sich bei Ihnen lohnt. Schwach, wenn Sie vor allem Programmierkapazität für eine fertig beschriebene Lösung suchen.

KriteriumFreelancerAgenturSpezialisierte KI-Beratung
KernEin Werkzeug oder ThemaUmsetzung in BreiteKI, Prozess und Messung
StartpunktIhr BriefingIhr ProjektauftragIhr Geschäftsproblem
KapazitätBegrenztHochFokussiert, klein
Am stärksten, wenndie Aufgabe klar istdas Projekt definiert istdie Richtung unklar ist
Typisches RisikoAusfall, kein GegenlesenTendenz zum GroßprojektWenig Kapazität für Masse

Die drei schließen sich nicht aus. Oft ist die Reihenfolge entscheidend: erst klären, wo der größte Hebel liegt und wie der Ablauf sauber laufen soll, dann umsetzen lassen. Wenn Sie schon genau wissen, was gebaut werden soll, kann ein Freelancer oder eine Agentur direkt richtig sein.

Welche Warnzeichen sollten Sie stoppen?

  • Das Werkzeug steht vor dem Problem. Die Lösung ist schon klar, bevor jemand Ihren Ablauf gesehen hat.
  • Einsparungen ohne Analyse. Eine feste Prozentzahl im ersten Gespräch, ohne dass ein einziger Ablauf aufgenommen wurde.
  • Kein Wort zum Betrieb. Das Angebot endet mit der Übergabe, und niemand sagt, wer Fehler behebt und Änderungen einspielt.
  • Nur Folien, nichts Laufendes. Der Anbieter kann keine Lösung zeigen, die bei ihm selbst oder bei einem Kunden im Alltag läuft.
  • Zusagen ohne Bedingungen. Wer feste Ergebnisse zusagt, ohne Ihre Daten und Systeme zu kennen, kennt sie entweder nicht oder sagt es nicht.
  • Abhängigkeit statt Übergabe. Die Lösung läuft nur in Konten des Anbieters, und Sie bekommen keine Dokumentation.
  • Kein Nein im Repertoire. Ein Anbieter, der jede Idee für machbar hält, prüft nicht.

Welche Fragen gehören ins Erstgespräch?

Diese Tabelle können Sie in jedes Gespräch mitnehmen. Die mittlere Spalte zeigt, wie eine gute Antwort klingt, die rechte, wann Sie nachhaken sollten.

PrüffrageGute AntwortWarnsignal
Was wollen Sie als Erstes über uns wissen?Welcher Ablauf, wie oft, wer macht ihn heuteWelches Werkzeug Sie nutzen, wie hoch das Budget ist
Woran messen wir den Erfolg?Eine Zahl in Stunden oder Euro, vorher festgelegt„Mehr Produktivität“ ohne Zahl
Wie sieht der erste Schritt aus, und wann brechen wir ab?Ein Ablauf, ein Abnahmekriterium, ein AbbruchpunktEin Programm über mehrere Bereiche
Wer betreibt die Lösung nach dem Start?Benannte Zuständigkeit für Fehler, Änderungen, Wartung„Das übernimmt dann Ihre IT“, ohne Übergabe
Wo werden unsere Daten verarbeitet?Konkrete Antwort je Dienst, AuftragsverarbeitungsvertragAusweichende oder allgemeine Antwort
Was gehört uns am Ende?Zugänge, Dokumentation und Abläufe gehören IhnenLösung läuft nur beim Anbieter

Wer auf die Frage nach dem Datenstandort mehr wissen will: Was dort zu prüfen ist, steht im Beitrag zu EU AI Act und DSGVO im Mittelstand.

Was muss im Angebot stehen?

Ein Angebot für eine KI-Lösung sollte mindestens diese Punkte schriftlich enthalten:

  1. Ausgangslage und Zielgröße: welcher Ablauf, was er heute kostet, welche Zahl erreicht werden soll.
  2. Umfang und Abgrenzung: was dazugehört und was ausdrücklich nicht.
  3. Abnahmekriterium: woran beide Seiten erkennen, dass die Lösung fertig ist.
  4. Zeitplan mit Zwischenständen: wann Sie etwas sehen, nicht nur wann alles fertig sein soll.
  5. Betrieb nach der Übergabe: wer zuständig ist, was laufend anfällt, wie Änderungen beauftragt werden.
  6. Eigentum und Ausstieg: wem Zugänge, Daten und Dokumentation gehören und wie eine Übergabe an Dritte funktioniert.
  7. Datenverarbeitung: welche Dienste beteiligt sind, wo sie verarbeiten, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag vorliegt.

Fehlt einer dieser Punkte, ist das noch kein Ausschlussgrund. Fragen Sie nach und lassen Sie die Antwort ins Angebot schreiben.

Wann brauchen Sie gar keinen externen Partner?

  • Wenn es um die Nutzung eines Standardwerkzeugs geht. Ein Textassistent für Entwürfe braucht klare Regeln und eine Schulung, kein Projekt. Was dabei zu regeln ist, beschreibt der Beitrag zu Shadow AI im Mittelstand.
  • Wenn intern jemand den Ablauf kennt und Zeit hat. Dann können erste Schritte ohne Externe gelingen. Ob dafür eine eigene IT-Abteilung nötig ist, beantwortet Braucht man für KI eine eigene IT-Abteilung?
  • Wenn der Ablauf noch nicht beschrieben ist. Dann ist der erste Schritt, ihn selbst aufzuschreiben: wer macht was, wie oft, mit welchem Ergebnis. Erst danach lohnt sich ein Gespräch mit einem Anbieter.

Wann wir selbst Nein sagen

Dieselben Kriterien gelten für uns. Wir sagen ab, wenn ein Betrieb deutlich unter 50 Mitarbeitenden hat, weil unser Vorgehen auf Unternehmen von 50 bis 500 Mitarbeitenden zugeschnitten ist. Wir sagen ab, wenn nur Programmierkapazität für eine fertig beschriebene Lösung gesucht wird; dafür ist ein Freelancer oft die bessere Wahl. Und wir starten nicht, solange intern niemand benannt ist, der den Ablauf kennt und Entscheidungen treffen darf.

Bei HanseImpact gehören Beratung und Umsetzung zusammen, inklusive Betrieb nach dem Start. Die meisten, die heute KI verkaufen, haben nie selbst verantwortet, dass ein System am Montagmorgen läuft. Wir betreiben, was wir bauen, auch für uns selbst. Wer bei uns berät und mit welchem Werdegang, steht auf der Seite Über uns. Was unsere Leistungen im Einzelnen umfassen, steht unter Leistungen; wie der Einstieg über einen Schnellcheck funktioniert, im Beitrag KI-Audit für den Mittelstand.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich den richtigen KI-Partner für mein Unternehmen? Der richtige Partner fragt zuerst nach Ihrem Ablauf und nach einer Zielgröße in Stunden oder Euro, schlägt einen abgegrenzten ersten Schritt mit Abbruchkriterium vor und sagt vorher, wer die Lösung nach dem Start betreibt. Ob er sich Beratung, Agentur oder Freelancer nennt, ist dafür zweitrangig.

Was ist der Unterschied zwischen KI-Beratung, Agentur und Freelancer? Der Freelancer ist Einzelexperte für ein Werkzeug oder Thema, die Agentur bringt Umsetzungsbreite mit, die spezialisierte KI-Beratung startet beim Geschäftsproblem und misst in Stunden und Euro. Häufig klärt eine Beratung, wo KI sich lohnt, und ein Freelancer oder eine Agentur setzt anschließend um.

Welche Fragen sollte ich einem KI-Berater im ersten Gespräch stellen? Woran messen wir den Erfolg? Wie sieht der erste Schritt aus, und wann brechen wir ab? Wer betreibt die Lösung nach dem Start? Wo werden unsere Daten verarbeitet? Was gehört uns am Ende? Ausweichende Antworten sind ein Warnzeichen.

Brauche ich für ein KI-Projekt überhaupt externe Hilfe? Nicht zwingend. Bei Standardwerkzeugen reichen oft Schulung und klare Regeln. Externe Hilfe lohnt sich, wenn unklar ist, wo KI den größten Nutzen bringt, wenn mehrere Systeme angebunden werden müssen oder wenn die Lösung dauerhaft betrieben werden muss.

Wenn Sie die Prüffragen an einem konkreten Ablauf aus Ihrem Betrieb durchgehen wollen: Im Erstgespräch machen wir genau das, auch wenn am Ende jemand anderes umsetzt.

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MT

Marc Thiel

Co-Founder · Finance & Business Design

Co-Founder von HanseImpact. Über zwanzig Jahre in Finance und Transformation, davon mehr als zwölf in Konzern-Mandaten bei Volkswagen, CARIAD, Signal Iduna und Otto. Kaufmännische Ausbildung bei der Deutschen Bank, Gastvorlesung an der FH Münster. Berät den DACH-Mittelstand zu KI-Lösungen.

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